Kisomachi am Kilimandscharo –
Sozialgeographische Notizen
Der Kilimandscharo ist nicht nur der höchste Berg Afrikas, im Grenzland zwischen Tansania und Kenia, er besteht auch aus mehreren Vegetationszonen. Kisomachi Secondary School liegt
1500 m ü. M., am Rande einer Zone, die von unseren Freunden „Agro-Forest“ genannt wird, die zum Berge an die Regenwaldzone und zum Tale an die Savanne angrenzt. Sie erstreckt sich auf ca. 10 – 15 km zwischen ca. 1 200 und 2 300 Höhenmetern. Exotische, z. T. importierte und uralte Bäume überragen diese Hänge. Dörfer sind im europäischen Sinne nicht erkennbar, sondern nur verstreute Familienansiedlungen, die man aber auch nur aus der Nähe erkennen kann. Von weitem erscheint einem das Gebiet als (Ur-)Wald, aus dem gelegentlich Menschen – oder Tierstimmen zu vernehmen sind.
Im Agro-Forest also liegen die 5 dörflichen Ansiedlungen, die im engeren Sinn zum Schuleinzugsbereich der Kisomachi Secondary School gehören. Die Menschen vom Stamm der Chagga, die dort in größeren Familien auf immer kleineren Parzellen (Erbteilung) leben und ihre Toten auf ihrem Grundstück begraben, ernähren sich zumeist vom Kaffee- und Essbananenanbau bzw. von kleinen Selbstversorgungswirtschaften, u. a. von Gemüse- und Kartoffelanbau, Hühnern, Ziegen und – vereinzelt – einer Kuh. Getrocknete Kaffeebohnen werden an die Kooperative für immer weniger Geld, Essbananen und anderes Gemüse auf dem lokalen Markt verkauft. Die Landwirtschaft verschwindet auf mehreren Etagen unter den Urwaldriesen. Unter diesen rangieren die Essbananenpflanzungen, darunter wiederum Kaffee- oder Gemüseanbau.
Die Wasserversorgung ist für tansanische Verhältnisse relativ gut, des Berges wegen. Dennoch haben nicht alle Menschen in jeder Jahreszeit Zugang zu reinem Trinkwasser. Auch Elektrizität gibt es, aber alle können sie sich nicht leisten. Die meisten Menschen bewegen sich bergauf, bergab zu Fuß auf roterdigen Wegen, die sich während der Regenzeit schon einmal in reißende Flüsse verwandeln können. Vereinzelt gibt es auch Autobesitzer, die zumeist einträglicheren Beschäftigungen in der Distrikthauptstadt Moshi nachgehen und in dieser landschaftlich reizvollen Gegend ein Haus aus Stein mit Landbesitz ihr Eigen nennen.
Die Gesundheitsversorgung ist bescheiden: für mehrere tausend Menschen gibt es lediglich die Sanitätsstation der kath. Gemeinde, der es aber an personeller und sächlicher Ausrüstung fehlt. Wer ernsthaft krank wird, müsste nach Moshi gebracht werden.
Trotz dieses harten und bedrohten Lebens begegnen wir zumeist offenen und heiteren Menschen. Das ist – nicht nur in Kisomachi – vielleicht das schönste Erlebnis in Tansania.