Entwicklungspartnerschaft mit Kisomachi Secondary School – Tansania

Bausteine für Kisomachi
Das ist der Titel eines Entwicklungshilfeprojektes der Schule, initiiert vom Verein der Freunde, Förderer und Ehemaligen der Freiherr-v.-Stein-Schule, mit dem unserer Partnerschule in Nordtansania, der Kisomachi Secondary School, beim Aufbau geholfen werden soll. Genauer gesagt, handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt der beiden Schulen, in dem wir vor allem finanzielle Mittel und unsere afrikanischen Partner Arbeitskraft und viel Organisationstalent einbringen.

Hilfe zur Selbsthilfe
Warum hat sich der Verein der Freunde, Förderer und Ehemaligen, der seit 1993 auch Trägerverein der Europaschule ist, so engagiert der Unterstützung dieses Gemeinschaftsprojekts angenommen? Dazu ist es nötig, ein wenig mehr über Kisomachi Secondary School zu wissen.
Kisomachi Secondary School ist eine nichtstaatliche Selbsthilfeschule, die seit etwas mehr als 10 Jahren von (armen) Kaffeebauern der Kilimanjaro-Region aufgebaut und z. Zt. als koedukative Tagesschule für 300 Schüler/innen (60 % Mädchen) bis zur Klasse 11 betrieben wird. Während die Grundschulen (bis zur Klasse 7) vom Staat verhältnismäßig gut ausgebaut sind – ein hervorragendes Ziel des ersten Präsidenten Julius K. Nyerere -, sind Sekundarstufenschulen in Tansania überwiegend nichtstaatliche Selbsthilfeeinrichtungen, die aus dem Schulgeld der Eltern, der Selbsthilfe (z. B. beim Bau von Schulgebäuden) und aus Spenden finanziert werden. Nur etwa 5 % eines Altersjahrgangs besuchen z. Z. Sekundarschulen (66 % Grundschulen). Der Staat kann den Bedarf an Sekundarstufenschulen nicht decken.

 

Träger der Kisomachi Secondary School ist das katholische Bistum Moshi, im wesentlichen aus formalen Gründen, weil das Gesetz bestimmte rechtliche Anforderungen an die Schulträger stellt. Andererseits ist die Kirche gar nicht in der Lage, die finanziellen Mittel für den Unterhalt aufzubringen (Kirchensteuer gibt es nicht). Tatsächlicher Träger ist ein im wesentlichen aus Eltern- und Kommunalvertretern zusammengesetzter "Schoolboard", der zusammen mit der Schulleitung die Schule verwaltet.
Nachdem unsere Partnerschule in den vergangenen Jahren durch vielfache Eigenleistungen der Bauern mehrerer Dörfer vor allem Klassenräume aufgebaut hat, steht neben Reparaturen der weitere Ausbau der Schule an, kann aber nicht aus eigener Kraft allein weitergetrieben werden. Die Schule will in der Zukunft allein steigenden Schülerzahlen genügen, bis zur Klasse 13 ausbauen und ein Internat angliedern.
Auf diesem Hintergrund wird deutlich, dass der Förderverein der Europaschule Gladenbach in seinem Beitrag vor allem eine Hilfe zur Selbsthilfe für Menschen auf der Südhalbkugel gesehen hat, die in bewunderungswürdiger Weise ihr Schicksal ohne die Unterstützung des Staates oder finanzkräftiger Institutionen selbst in die Hand nehmen und für die Zukunft ihrer Kinder zu sorgen versuchen. Es ist auch eine Hilfe, die nicht in den Händen einer korrupten Staatsbürokratie versickert oder durch umfangreiche Verwaltungskosten aufgezehrt wird. Alle Projekte werden vielmehr von den Partnern diskutiert und abgewogen, ihre Kostenkalkulation und –abrechnung offengelegt. Jedermann kann sich jederzeit ein Bild von der Verwendung der Mittel bzw. dem Baufortschritt machen. Es sind echte Gemeinschaftsvorhaben, wobei – das sei auch erwähnt – der schwierigere Part von unseren afrikanischen Freunden zu leisten ist.

Global village
Mit dem Stichwort "Gemeinschaftsprojekt" kann auch das besondere Interesse einer deutschen Europaschule gekennzeichnet werden, das sie für derartige Entwicklungsvorhaben prädestiniert. Warum eigentlich? Die Frage erscheint insofern nicht unberechtigt, als unser Bildungs- und Erziehungsauftrag – zumindest traditionell – nicht die Mitwirkung an einer vernünftigen Entwicklungspolitik fordert und es wegen der Entfernungen und der Kosten – für (fast) alle Schüler/innen ausgeschlossen ist, in direkter Begegnung analog zu Schulpartnerschaften in Europa Kontakt mit den Menschen in Afrika herzustellen.
Ein ganz wichtiger Aspekt liegt auch in einem erweiterten Verständnis von Bildung und Erziehung heute.

Niemand wird vermutlich dem widersprechen, dass in der Übernahme von persönlicher und politischer Verantwortung ein wichtiges Erziehungsziel liegt. Für junge Europäer müsste das eigentlich über den innerstaatlichen und innereuropäischen Bereich hinaus auch bedeuten, das sie im Bewusstsein der gemeinsamen europäischen Geschichte und Kultur auch die gemeinsame Verantwortung gegenüber den Menschen des schwarzen Kontinents verspüren – in welcher Form auch immer. Hieraus ergeben sich Aufgaben für die Europaschule. Zumindest kann diese Überlegung aber der Vorstellung aufhelfen, dass die "europäische Dimension" von Bildung und Erziehung immer auch ihre globale Schwester einbeziehen muss. Haben nicht diejenigen Recht, die von der Welt als einem "global village" sprechen?

BILANZ 2003 – 10 Jahre Partnerschaft

Die Partnerschulen in Gladenbach und Tansania haben seit 1993 gemeinsam geplant und Baustein auf Baustein gelegt, so dass sich das bisherige Ergebnis sehen lassen kann. Dieses Ergebnis wäre allerdings nicht zustande gekommen ohne die finanzielle Entwicklungshilfe des Landes Hessen.

1. Bauprojekte
1993/94 4 Lehrerwohnhäuser
Kosten: 31.500,- DM, davon: Land Hessen: 22.000,-
Förderverein: 4.500,-, Kisomachi: 5.000,-

1995/96 Speise- u. Versammlungsraum,2 Häuser mit Schlafplätzen
Kosten: 36.500,- DM, davon: Land Hessen: 28.600,-,
Förderverein: 900,- , Kisomachi: 7.000,-

1996/97 Möblierung Versammlungsraum/Schlafhäuser
Kosten: 22.700,- DM, davon: Land Hessen: 11.300,-
Förderverein: 11.400,--

1996/97 Kindergarten in Kooperation mit der Kath. Kirche
Kosten: 33.100,- DM, davon: Land Hessen: 23.100,-
Kath. Kirche: 3.000,- Kisomachi: 7.000,-
1999/2001 Schul- und Dorfbibliothek Verwaltungstrakt
Kosten: 54.400,-- DM, davon Land Hessen: 38.000,-
Förderverein: 6.200,-, Kisomachi 10.200,-

2002/2003 Innenausbau Bücherei/Verwaltung
Kosten: 22 348,-- DM, davon Land Hessen: 14 545,--
Förderverein: 5 000,-- ; Kisomachi: 2 803,--

2002/2003 Renovierung des naturwissenschaftlichen Fachtrakts
Kosten: 21 210,-- Euro; davon Land Hessen 11 700,-- €
Förderverein: 4 615,-- €, Kisomachi 4 895,-- €

Kosten

 insgesamt:

242 031,15 DM

123 748,56 €

 Land Hessen:

160 428,22 DM

82 025,64 €

 Förderverein:

40 026,15 DM

20 465,04 €

 Kisomachi*:

41 576,78 DM

21 257,88 €

* Die Dorfbevölkerung hat darüber hinaus Materialleistungen, z. B. Holz, und viele Arbeitsstunden für ihre Schule erbracht.

Ferner spendierte der Verein 3 000,-- USD zur Ausstattung der Bibliothek anlässlich ihrer Einweihung am 13.01.2003.


Ausblick:
Für 2003 - 05 sind die vorerst letzten Baumaßnahmen geplant:
a) die Sanierung der Klassentrakte,
b) die Erweiterung der Schlafplätze der boarding school. 

2. Schulgeld
Wie die Verwalterin der Schulgeldaktion für Schülerinnen der Kisomachi Secondary School, Frau Edith Müller-Zimmermann, ergänzend mitteilt, sind seit 1996 insgesamt 7 260,-- € aus Spendenmitteln, Basaren etc. zur Förderung von Mädchen aus bedürftigen Familien überwiesen worden. Bis jetzt konnten 13 Mädchen über jeweils 4 Schulbesuchsjahre davon profitieren. 3 weitere Schülerinnen sind seit diesem Jahr bis mindestens 2004 in die Förderung aufgenommen worden. Der Zuschuss pro Schülerin und Jahr liegt zwischen 50 und 100 % für Schulgebühr (z. Z. 150,-- €) und Internat (z. Z. 140,-- €).