Ein Gesamtsprachenprogramm, das Englisch ab 1. Schuljahr, vorgezogene Fremdsprachenfolgen einschließlich der Muttersprachen, bilinguale Klassen, Sprachintensivkurse im Ausland und internationale Betriebspraktika enthält
Englisch ab Klasse 1
Seit 1994/95 gibt es an der Europaschule "Englisch ab Klasse 1". Das Stundenmaß des "Frühen Fremdsprachenlernens" ist in den ersten beiden Lernjahren mit einer Wochenstunde veranschlagt, die jede Klasse zusätzlich erhält. Der Unterricht wird von der Klassenlehrerin/dem Klassenlehrer erteilt. Der Englischunterricht vollzieht sich fast ausnahmslos einmal in einer längeren Sequenz von 20-30 Minuten und in mehreren Kurzsequenzen verteilt auf die Woche. In den Klassen 3 und 4 wird Englisch im Umfang von 2 Wochenstunden als fester Bestandteil der Stundentafel angeboten und von einer Grundschullehrkraft mit Fachausbildung unterrichtet.
Ziele und Ergebnisse
Globales Ziel des Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule ist es, die Schüler zu einer interkulturellen Kommunikation zu befähigen. Aus diesem Grund wird der Unterricht so gestaltet, dass eine fremdsprachliche Handlungsfähigkeit systematisch aufgebaut werden kann und darüber hinaus die Schüler befähigt werden, mit Menschen anderer Nationalität, Sprache und Kultur umzugehen. Bei der Neugestaltung des "Frühen Fremdsprachenlernens" spielen die Kontakte zu Kindern anderer Sprachgemeinschaften eine wichtige Rolle. Die Klassenkorrespondenz (ab Klasse 3) bietet Gelegenheit für vielfältige interkulturelle Vergleiche (Tagesablauf, Stundenplan, Speisen etc.).
Dabei entdecken die Schüler nicht nur Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Alltagskultur beider Länder, sondern sie lernen auch, sich selbst und ihre Umgebung mit anderen Augen zu sehen. Die fremde Sprache wird als Brücke zum anderen erfahren. Der Lernzuwachs kann am leichtesten an der zunehmenden Sicherheit und Schnelligkeit festgestellt werden, mit der die Schüler verbal und nonverbal reagieren. Bei fast allen Schülern ist das Hörverständnis sehr gut entwickelt. Es bereitet ihnen keine Schwierigkeiten, selbst längere Texte global zu verstehen. Die intensive und exemplarische Auseinandersetzung mit einer Fremdsprache und einer fremden Kultur führt bei den Schülern aber auch zu deutlich größerem Interesse und Offenheit für andere Sprachen und andere Kulturen. Deutsche Schüler werden durch das eigene "Frühe Fremdsprachenlernen" für die Probleme ihrer ausländischen Mitschüler mit geringen oder gar keinen Deutschkenntnissen sensibilisiert. Den ausländischen Schülern fällt es sehr viel leichter, ihre persönlichen Kulturerfahrungen und ihre Muttersprache bei interkulturellen Themen und Projekten einzubringen.
Bilingualer Unterricht
Sprachenprogramm
Ein umfassendes Sprachenprogramm zur Realisierung der europäischen Dimension durch Mehrsprachigkeit in der sprachlichen Bildung bedarf der Einbettung in das Entwicklungsprogramm der ganzen Schule. Dies betrifft gleichermaßen: Fremdsprachen, Herkunftssprachen sowie Deutsch als Muttersprache, Zweitsprache und Schulsprache.
Z. Zt. bereiten wir ein Sprachenprogramm vor, das ab 2004, beginnend im 3. Schuljahr, in Gladenbach und den Schulen im Einzugsbereich umgesetzt werden kann.
Ziele:
Die Europaschule Gladenbach hat mit dem Schulversuch "Englisch ab 1" seit 1994, der inzwischen zur Regel auch in den Grundschulen des Schulverbundes geworden ist, dargelegt, dass die vorhandenen Begabungsreserven der Kinder mit einem Frühbeginn in der 1. Fremdsprache erfolgreich genutzt werden können. Damit wird zugleich die Frage aufgeworfen, ob Englisch - wie bisher - von 1-9, 1-10 oder 1-13 unverändert unterrichtet und auf weitere Fremdsprachen erst im 7. Schuljahr hingeführt werden soll oder durch eine Verschiebung in den Fremdsprachenfolgen ein "Mehr an Mehrsprachigkeit" i. S. der Ziele der EU und des Europarates erreicht werden können.
Das derzeitige Englisch-Curriculum der Grundschule erscheint erweiterungsfähig bei Hör- und Leseverständnis, im Bereich von Wortschatz und Strukturanwendungen.
Allerdings wird wie bisher im Mittelpunkt der Grundschularbeit der gründliche Aufbau mündlicher Kommunikation stehen. Eine Verstärkung des Englischunterrichts in der Grundschule im 3./4. Schuljahr um je eine Wochenstunde erscheint deshalb als sinnvoll.
Die Grundschule ermittelt auch Lernstände, deren Ergebnisse in der Arbeit der Sekundarstufe zu berücksichtigen sind. Die Ermittlung erfolgt durch grundschulgemäße Überprüfung und das Europäische Portfolio der Sprachen. Sie dokumentieren das Sprachwachstum der Kinder und stärken auch ihre Fähigkeit, dieses Wachstum selbst einzuschätzen.
Grundschule und Sekundarstufe informieren sich gegenseitig über Art der Gestaltung des Fremdsprachenwachstums nach Inhalten, Methoden und Zielen. Von der Klasse 3 bis zur Klasse 10 (8) wird ein gemeinsames Curriculum von Lehrerinnen und Lehrern der Grundschule und der Sekundarstufe entwickelt.
Ab dem 5. Schuljahr wählen alle Schüler/innen eine weitere Fremdsprache. Diese können sein die sog. Muttersprachen Türkisch und Russisch oder Französisch.
Mit der verbindlichen Einführung bzw. Fortführung einer zweiten Sprache neben Englisch für alle wird das Ziel der Erweiterung der Mehrsprachigkeit verbunden. Die Pflege der Mehrsprachigkeit stellt auch einen Beitrag zum besseren Erwerb der deutschen Sprache dar. Ihre Förderung im 5. und 6. Schuljahr macht sich das günstige Lernalter der Schüler/innen nach dem Frühbeginn mit der Lingua franca seit dem 1. Schuljahr zunutze, ohne sie bereits auf eine 2. Fremdsprache verbindlich festzulegen.
Der Basisbildungsgang in der 1. Fremdsprache endet nach dem 8. Schuljahr. Für alle Schüler/innen des Gymnasialzweiges wird der Englischunterricht in Klasse 9/10 zweistündig weitergeführt. Die Schüler/innen des bilingualen Zuges belegen ein 2-stündiges bil. Sachfach. Die Schüler/innen des nicht-bilingualen Zuges können 3-stündigen bil. Sachfachunterricht wählen.
Im Haupt- und Realschulzweig wird der Englischunterricht 3-stündig weitergeführt, in das Curriculum werden Sachfachelemente aufgenommen.
In der 2. Fremdsprache Französisch kann in Klasse 10 zusätzlich ein 3-stündiges bilinguales Sachfach gewählt werden.
Mit der bisher skizzierten Fremdsprachenfolge gewinnen Schüler/innen der Realschule und des Gymnasiums im Wahlpflichtbereich die Möglichkeit, intensiv im 9./10. Schuljahr eine 3. Fremdsprache zu erlernen. Für die Gymnasialschüler kann die 3. Fremdsprache im 11. Schuljahr 4-stündig weitergeführt und in der Qualifikationsphase zusätzlich oder alternativ zur 1. oder 2. Fremdsprache als Grund- oder Leistungskurs belegt werden.
Im Zuge der Einführung des 8-jährigen gymnasialen Bildungsgangs ab 2005/06 wird das Sprachenprogramm in der Mittelstufe entsprechend angepasst.



